Blogbeitrag: Was macht eigentlich die elterliche Smartphone-Nutzung mit kleinen Kindern?

Für die meisten Eltern stellt das Smartphone heutzutage ein wichtiges und viel genutztes Instrument zur Kontaktpflege, Informationssuche oder kurzweiligen Ablenkung dar. Ebenso kann das Smartphone für Eltern eine dringend nötige Verbindung in die Außenwelt und zu anderen Erwachsenen darstellen. Auch zur Organisation des Familienalltages wird das Smartphone immer wichtiger, wie die FIM-Studie aus dem Jahr 2016 zeigen konnte1.

Die elterliche Smartphone-Nutzung bringt neben den genannten Vorteilen jedoch auch eine Kehrseite mit sich. In diesem Zusammenhang ist der Begriff der sogenannten „Technoferenz“ (zusammengesetzt aus den Begriffen Technik und Interferenz) entstanden, der die alltäglichen Unterbrechungen in sozialen Interaktionen und gemeinsam verbrachter Zeit beschreibt, die durch die Nutzung von technischen Geräten bedingt sind2.

Die Absorbiertheit durch das Smartphone führt laut aktuellen Studien gerade bei Eltern zu weniger Aufmerksamkeit und Präsenz gegenüber den Kindern und somit zu weniger Sensitivität und Responsivität. Dadurch sind wichtige Voraussetzungen für eine gelingende Entwicklung des Kindes jedoch möglicherweise in Gefahr. Es gibt klare Hinweise dafür, dass Eltern während der Beschäftigung mit portablen digitalen Geräten weniger feinfühlig und responsiv auf ihre Kinder reagieren 3,4,5. So zeigen sich bei Babys auch ungünstige Auswirkungen wie Stress, wenn ihre Eltern am Smartphone beschäftigt sind6.

Aber macht es überhaupt einen Unterschied, wodurch Eltern abgelenkt sind, ob sie nun am Smartphone beschäftigt sind, oder etwa eine Zeitschrift lesen oder gerade in eine Unterhaltung mit jemandem vertieft sind? Tatsächlich mehren sich Anhaltspunkte dafür, dass die Nutzung von Smartphones in stärkerem Ausmaß die Aufmerksamkeit absorbiert (und dadurch die Responsivität verringert) als andere Aktivitäten7.

Abschließend gilt es zu bedenken, dass ein Großteil der heutigen Eltern von jungen Kindern der Generation der „Millennials“ (geboren 1981-1996) angehören, die sehr viel häufiger Smartphones benutzen als vorhergehende Generationen. Die kommende Generation an Eltern sind fast durchweg „digital natives“, die mit digitalen Geräten aufgewachsen sind. Daher ist es umso wichtiger, mehr über den Einfluss der elterlichen Smartphone-Nutzung zu verstehen und praktische Ansatzpunkte abzuleiten. Dabei sollen keine Schuldzuweisungen und pauschale Verurteilungen (elterlicher) Smartphone-Nutzung erfolgen, sondern eine bessere Aufklärung und Darreichung von Hilfestellungen erreicht werden, durch die Eltern mehr Sicherheit im Umgang mit der eigenen Smartphone-Nutzung vor ihren Kindern gewinnen können.

Aktuell startet hierzu eine neue Studie an der Universitätsklinik Tübingen zu den Auswirkungen der elterlichen Smartphone-Nutzung – erstmalig unter Einsatz einer modernen bildgebenden Messung, die Rückschlüsse auf Gehirnaktivitäten der Kinder ermöglicht. Bei Interesse an einer Studienteilnahme können sich Mütter mit Babys zwischen 8 und 15 Monaten im Umkreis von Tübingen gerne unter folgender Mail-Adresse melden: smarty@med.uni-tuebingen.de. Auf diesem Wege können Sie unverbindlich einen Studien-Flyer mit mehr Informationen erhalten.

Quellen:

1 Feierabend, S., Plankenhorn, T., & Rathgeb, T. (2017). FIM-studie 2016-familie, Interaktion, Medien. Untersuchung zur Kommunikation und Mediennutzung in Familien.

2 McDaniel, B. T., and Radesky, J. S. (2018). Technoference: parent distraction with technology and associations with child behavior problems. Child Dev. 89, 100–109.

3 Konrad, C., Hillmann, M., Rispler, J., Niehaus, L., Neuhoff, L., & Barr, R. (2021). Quality of mother-child interaction before, during, and after smartphone use. Frontiers in psychology, 12, 616656.

4 Lederer, Y., Artzi, H., & Borodkin, K. (2022). The effects of maternal smartphone use on mother–child interaction. Child development, 93(2), 556-570.

5  Wolfers, L. N., Kitzmann, S., Sauer, S., & Sommer, N. (2020). Phone use while parenting: An observational study to assess the association of maternal sensitivity and smartphone use in a playground setting. Computers in Human Behavior, 102, 31-38.

6 Rozenblatt-Perkal, Y., Davidovitch, M., & Gueron-Sela, N. (2022). Infants‘ physiological and behavioral reactivity to maternal mobile phone use–An experimental study. Computers in Human Behavior, 127, 107038.

7 Mikić, A., & Klein, A. M. (2022). Smartphone Use in the Presence of Infants and Young Children: A Systematic Review. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 71(4), 305-326.

Bildquelle: Pexels.com

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