Deutschland im Finale… (in der Forschung)

Meine Frau sagt häufiger, dass die US-amerikanische Forschung so viel besser als die deutsche sei. Das ärgert mich, da ich in meinem Forscherleben viel gute Forschung aus Deutschland erlebt habe. Zuletzt habe ich intensiv in der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen am Universitätsklinikum Tübingen mitgearbeitet (https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/forschungsgruppe-internetnutzungsstoerung), mit der wir unter anderem ein manualisiertes Elterntraining für Eltern von Menschen mit Internetnutzungsstörungen entwickelt hatten und ein Onlinetraining für Eltern. Daher ist für mich eine bibliometrische Analyse besonders interessant, die Novak et al. (2026) kürzlich vorlegten. Die Autorinnen und Autoren sammelten sorgfältig und systematisch alle Forschungsarbeiten (389 Publikationen) zum Elterneinfluss auf Computerspielstörungen der Jahre 2004 bis 2024.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass geringere elterliche Zuneigung, dysfunktionale familiäre Beziehungen und mangelnde elterliche Kontrolle in Verbindung mit psychiatrischen Komorbiditäten und emotionaler Dysregulation mit einem erhöhten Risiko einer Computerspielstörung assoziiert sind, während warmherzige, begleitende und unterstützende familiäre Beziehungen mit einem geringeren Risiko in Verbindung gebracht werden können. Soweit so erwartbar…

Bemerkenswert ist allerdings darüber hinaus auch eine Analyse und Bewertung des Forschungsinputs nach Nationalität der Autorinnen und Autoren:

„The geographic distribution of published research shows dominance of China (55 papers), Germany (45), and the USA (29), with German scientists Rainer Thomasius (16 papers), Lutz Wartberg (14), and Kerstin Paschke (14) dominating among authors. (Novak et al., 2026, S.13).

Die drei produktivsten Autorinnen und Autoren des Forschungsfeldes stammen demnach aus Deutschland. Während wir Thomasius und Paschke den ersten deutschsprachigen Fragebogen für die Diagnostik von Computerspielstörungen nach ICD-11 verdanken (Gaming Disorder Scale for Adolescents, GADIS-A, siehe weiter unten), führten Wartberg und andere die weltweit erste Langzeitstudie zu Computerspielstörungen bei Jugendlichen durch, wobei sie jeweils Jugendliche und ein Elternteil untersuchten und so eine Vielzahl von Informationen zur familiären Situation von Personen mit Computerspielstörungen sammelten.

Quelle:

Novak, V., Zoričić, Z., Ruf, V., Brkić, S., Neuberg, M., Meštrović, T., … & Šimić, J. (2026). A two-decade bibliometric analysis (2004–2024) of parental factors in the context of internet gaming disorder research. Frontiers in psychiatry, 17, 1815429.

Für GADIS-A: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/media/67dfe8e5b49d3849ff693370/source/screening_spielsucht..pdf

Bildquelle: ChatGPT

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