Selbst Fachleute verwenden unterschiedliche Begriffe, wenn sie Internetsucht meinen (zum Beispiel „problematische Internetnutzung“, „pathologischer Internetgebrauch“, „Mediensucht“ und viele mehr). Das ist sehr verwirrend. Der älteste und am meisten verbreitete Begriff ist „Internetsucht“ („internet addiction“). Warum ihn nicht alle benutzen, ist sehr kompliziert.

Wann bin ich eigentlich süchtig?

Niemand ist nach dem Internet selbst (oder dem Zugangsgerät: Computer, Tablet, Smartphone) süchtig, denn niemandem ist egal, was sie/er im Internet macht. Immer sind es für eine Person typische Internetanwendungen, die zu Problemen führen. Das können einzelne sein (zum Beispiel Onlinespiel, Soziale Netzwerke) oder auch mehrere. Manchmal sagt man, man sei süchtig nach etwas, wenn das einen starken Reiz ausübt, so dass man es dauernd tun möchte. Das kann Sucht sein, wahrscheinlich macht einem aber nur etwas sehr viel Spaß. Wenn jemand zum Beispiel viele Stunden online spielt, vielleicht sogar ein ganzes Wochenende, bedeutet es womöglich nur, dass die Person Zeit und Spaß daran hat. Etwas so intensiv zu machen, dass andere das nicht mehr nachvollziehen können, ist noch nicht automatisch „Sucht“.

Beantworten Sie sich ehrlich folgende Fragen

Nun braucht Spaß aber auch Kontrolle, denn sonst bin ich nicht mehr frei, sondern Sklave dessen, was mir Spaß macht oder mal Spaß gemacht hat. Wer sich also fragt, ob sie/er internetsüchtig ist, sollte sich zunächst ehrlich fragen, ob sie/er noch frei ist, etwas anderes zu tun. Kann ich beginnen und aufhören, wann ich will oder funktioniere ich nur noch wie eine Art Automat, folge ich nur noch einem starken inneren Drang?

Kein psychologischer Test, auch der auf dieser Website nicht, ist so aussagekräftig, wie die drei Fragen:

  1. Habe ich die Kontrolle?
  2. Funktioniert mein Alltag?
  3. Leide ich auch unter dem, was ich da tue?

Im Detail hieße das zum Beispiel:

  • Gibt es Bereiche, die von dem, was ich online mache, beeinträchtigt werden?
  • Hobbys ändern sich manchmal und verschwinden gar – aber machen mir überhaupt noch andere Dinge Spaß?
  • Wäre mein Leben ohne Internetzugang plötzlich vollkommen leer?
  • Habe ich noch Zeit für Freunde, Familie, Partnerinnen/Partner?
  • Tue ich nur noch das Nötige für Schule, Studium oder Beruf?
  • Lebe ich einigermaßen gesund (ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten, vielleicht noch etwas Sport, der nicht nur E-Sport ist)?
  • Wie geht es mir eigentlich mit dem, was ich online mache? Habe ich häufiger Schuldgefühle bzw. ein schlechtes Gewissen oder ein Gefühl der Leere ohne Onlineaktivitäten, fühle ich mich unter Druck, die Zeit zu reduzieren?
  • Kann ich davon anderen Leuten offen und ehrlich erzählen, ohne dass sie bedenklich gucken und mich zu beraten versuchen?

Vier Beispielfälle

In der Realität können verschiedene Situationen zu einer problematischen Onlinenutzung führen. Lesen Sie dazu folgende Fälle als fiktive Beispiele, die in der Beratung und Behandlung aber häufig ähnlich geschildert werden. Vielleicht erkennen Sie sich in einigen Fällen wieder?