60% krank, oder?

Aus Ergebnissen der aktuellen „Trendstudie Jugend in Deutschland 2026“ wurde Ende März 2026 berichtet, 60 Prozent der deutschen Jugendlichen  hätten eine suchtähnliche Smartphone-Nutzung (https://www.medienzeit-elternblog.de/blog/jugendstudie-2026-smartphone-sucht-psychische-belastung).

Damit könnte eine Jugendliche zu ihren Eltern sagen: „Wieso stört dich meine Smartphonenutzung, Papa? Natürlich bin ich süchtig, das ist doch ganz normal. Willst du etwa, dass ich zu einer Randgruppe gehöre?“

Jemand anderes könnte einwenden: „Soweit kommt es, wenn man inflationär neue Verhaltenssüchte einführt, bis wir irgendwann dann alle auf die eine oder andere Weise süchtig sind. Und dann ist für die, die wirklich unter einer Abhängigkeitsstörung leiden, keine Aufmerksamkeit und schon gar kein Geld übrig!“

Und ein dritter meint: „Für fast alles heutzutage braucht man ein Smartphone. Und dann benutzt man es halt auch viel. So ist die Welt nun mal. Kann es sein, dass man da einfach Alltagsverhalten pathologisieren will? Ist da nicht vielleicht vielmehr eine Smartphonephobie im Hintergrund?“

Suchtartige Smartphonenutzung kann vieles sein:   Die Person, die ständig und lange telefoniert (gab es schon, als das Telefon noch an Leitungen hin). Die, die stundenlang angestrengt auf eine WhatsApp wartet, die kommt oder nicht. Die, die Verkehrsunfälle verursachen, weil sie auch im Straßenverkehr vom Gerät nicht lassen können. Die, die stundenlang von einem Kurzfilm zum nächsten springen. Die Spielerinnen und Spieler, ob um Geld oder nicht. Die Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Medien oder von Pornographie. Und die, die das in den sozialen Medien für wirkliche Nachrichten halten.

All dies kann einzeln suchtartig auftreten, vieles auch gemeinsam. Das Smartphone spielt die geringste Rolle dabei, es verschafft lediglich mobiles Internet. Und da haben wir bereits den ebenfalls problematischen Begriff der Internetsucht. Wir brauchen keine unterschiedlichen Begriffe für Internetsucht im Gehen, Sitzen oder Stehen. Wir brauchen auch den Begriff der Smartphonesucht nicht.

Smartphonesucht ist kein von der Fachwelt akzeptierter diagnostischer Begriff. Und er wird es auch nicht werden. Gut so!

Wenn Sie mögen, hinterlassen Sie bitte eine Bewertung für diesen Beitrag!
Bitte bewerten Sie hier:
[Total: 0 Average: 0]