Soziale Medien für Kinder … verbieten?

Gerade wird in Deutschland diskutiert, ob es Gesetze geben soll, die Anbieter von sozialen Medien verbieten sollen, dass Kinder unter 14 Jahren ihre Angebote nutzen können. Angebote sozialer Medien sollen hinter einer Altersschranke verschwinden, die sich erst ab einem festzulegenden Alter öffnen soll.

Gleich ist die Aufregung hoch. Es wird allerdings auch argumentiert und diese Argumente wären genau abzuwägen. Schließlich gibt es in Deutschland schon reichlich Verbote, motivieren Verbote zum Umgehen von Verboten und dürften die Soziale-Medien-Angebote für einige allein durch das Verbot vielleicht sogar noch attraktiver werden.

Es wird argumentiert. Um welche Argumente geht es?

  • Ein Verbot sozialer Medien nimmt Kindern die digitale Teilhabe
  • Ein Verbot sozialer Medien behindert die Entwicklung von Medienkompetenz.
  • Ein Verbot sozialer Medien greift in das Erziehungsrecht der Eltern ein.

Um diese Argumente diskutieren zu können, muss zunächst einmal geklärt werden, welche Erwartungen zurecht an Kinder gestellt werden können und welche nicht. Kinder können ihre Impulse kontrollieren. Manchmal aber auch nicht. Kinder können auch vernünftig sein. Sie sind es aber nicht immer. Kinder können vorsichtig und risikobewusst handeln. Manchmal tun sie es aber auch nicht. Kinder können Verantwortung übernehmen und tragen. Kinder können überraschend klug, vielleicht sogar weise antworten. All dies ist möglich, es darf aber keineswegs erwartet werden. Kinder sind eben keine zu kurz geratenen Erwachsenen.

Daher sind Kinder für ihr Handeln vor dem Gesetz nicht verantwortlich, dürfen aber auch nicht arbeiten oder wählen. Kinder dürfen teilhaben, allerdings nicht an allem. Kinder unter 14 dürfen z.B. nicht allein in Gaststätten, Diskotheken, Nachtclubs, Spielhallen oder Wettbüros sein.

Zu (1)

Wenn Kindern, wie eben gezeigt, die analoge Teilhabe in einigen Bereichen verwehrt wird, so soll das verhindern, dass Kinder zu Opfern werden. Auch in der digitalen Welt können Kinder zu Opfern werden und müssen geschützt werden. Die digitale Welt mag zwar wie von der realen Welt abgetrennt wirken, tatsächlich kann das Handeln in der digitalen Welt reale Konsequenzen haben: psychosoziale, finanzielle, gesundheitliche.

Zu (2)

Kein Stadtmensch würde sein Kind in den brasilianischen Urwald schicken, um sich dort etwas zu essen zu suchen oder sein Kind in das Wasser werfen, damit es zu schwimmen lernt.  So sollte die Medienkompetenz der Kinder auch nicht durch Versuch und Irrtum erworben werden, sondern sie sollte planvoll durch ausgebildetes Lehrpersonal vermittelt werden. Die repräsentative Elternbefragung im Rahmen der KIM Studie in der aktuellen Version von 2024 ergab: „81 Prozent wünschen sich ein Schulfach „Medienkompetenz“ (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2025, S.71).

Zu (3)

Eltern haben das Recht, ihren Kindern zu ihrem Schutz soziale Medien zu verbieten. So wäre es vorstellbar, dass stärker schutzbedürftigen Kindern soziale Netzwerke verboten würden, weniger schutzbedürftige mit fortgeschrittener Medienkompetenz aber die Erlaubnis zur Nutzung erhielten. Die Eltern könnten ihr Recht ausüben und nur die Kinder würden geschützt, die den Schutz auch brauchen. 

Würde das funktionieren? Würden die Eltern ihr Kind schützen?

„Technischer Jugendmedienschutz, wie bspw. die Einrichtung spezieller Konten für Kinder oder die Nutzung der in den Geräten und Diensten integrierten Sicherheitsvorkehrungen, ermöglicht es Kindern, sich altersgerecht im Netz zu bewegen und in gewissem Maße eine kindgerechte Umgebung zu erleben. Allerdings werden diese Möglichkeiten mehrheitlich von Eltern nicht genutzt. 71 Prozent der Eltern, deren Kinder Online-Dienste nutzen, geben an, an keinem der von dem befragten Kind genutzten Geräte Sicherheitseinstellungen vorgenommen zu haben.“  (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2025, S.81).

Wenn Eltern ihre Kinder im digitalen Bereich effektiv schützen würden, würden die Kinder z.B. nur altersgerechte Computerspiele spielen, was zumindest die männlichen Kinder mehrheitlich nicht tun.

Es gibt reichlich Gefahren, vor denen die Eltern ihre Kinder schützen müssen. Wo dies möglich ist, sollte der Staat helfen. Wer möchte schon seiner 12-jährigen Tochter sagen, dass sie soziale Medien nicht mehr nutzen darf, wenn das große Mehrheiten in ihrer Schulklasse tun und wenn das das Gefühl vermittelt, plötzlich aus einer Welt ausgebürgert worden zu sein, wo interessante und bedeutsame Ereignisse dann ohne sie stattfinden. Weil es für sie das beste ist (was wohl stimmt)? Das können wir als Eltern nicht tun – der Staat aber schon!

Quelle:

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. (2025). KIM-Studie 2024: Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. mpfs.

Bildquelle: ChatGPT

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