Angesichts des aktuellen Covid-19-Ausbruchs ist die Bedeutung des Internets besonders groß. Wir bleiben informiert, sind trotz „social distancing“ mit Familie und Freunden in Kontakt und können per E-Mail oder Videokonferenz daheim arbeiten. Toll ist es auch zu sehen, wie in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Twitter der Zusammenhalt gepflegt, Nachbarschaftsaktionen verbreitet und zu sozialer Verantwortung angehalten wird (zum Beispiel #flattenthecurve. #stayhome, #wirbleibenzuhause).

Soziale Medien verstärken Ängste und Depressionen

Doch ebenso werden derzeit im Internet Falschmeldungen rasant an Tausende von Menschen verbreitet – mit verheerenden Folgen. So gingen zum Beispiel Warnungen raus, dass Einkaufsläden schließen würden, was zu vermehrten Hamsterkäufen und leeren Supermärkten führte. Dies zeigt uns vor allem eines: unsere Verletzlichkeit in Zeiten der Krise. Auch die Forschung zeigt: Das Nutzen sozialer Netzwerke während des Covid-19-Ausbruchs kann Ängste und depressiv-ängstliche Symptome erhöhen. Frauen scheinen dafür besonders anfällig zu sein. Insbesondere Menschen, die bereits unter einer Angstsymptomatik oder depressiven Störung leiden, dürften Schwierigkeiten haben, diese Extraportion an schlechten Nachrichten zu verarbeiten.

Was ist also die Lösung?

Hier sind ein paar Ideen, wie Sie während der Corona-Krise gesund mit sozialen Medien umgehen können:

1. Seriöse Informationsquellen

Beziehen Sie Informationen über Covid-19 am besten nur aus vertrauenswürdigen Quellen mit wissenschaftlichem Hintergrund, zum Beispiel von der WHO, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, vom Robert-Koch-Institut oder von der Bundesregierung. Wir empfehlen allerdings, nicht ständig auf neue Nachrichten zu checken, sondern zum Beispiel nur zweimal am Tag, morgens und abends.

2. Vernetzung und Kultur online

Nutzen Sie soziale Netzwerke weniger als Informationsgrundlage, sondern vielmehr zur Vernetzung und Unterstützung: Informieren Sie sich über solidarische und hoffnungsspendende Aktionen, Beschäftigungsmöglichkeiten und Bewältigungsstrategien oder nutzen Sie kulturelle Angebote online, wie beispielsweise Live-Übertragungen aus Berliner Clubs oder Theatern. Noch mehr Ideen finden Sie hier.

3. Alltagsstruktur

Strukturieren Sie Ihre Zeit zu Hause und schaffen Sie sich Tagespläne. Struktur und Vorhersehbarkeit können dem Gefühl des Kontrollverlusts entgegenwirken. Zum Beispiel kann es gut tun, jeden Tag zu einer festen Uhrzeit aufzustehen oder zu essen. Ein Tipp für das Home-Office sind feste Zeiteinteilungen. Helfen kann dabei unter anderem die Pomodoro-Technik, die sich durch 25-minütige Arbeits- (oder Lern-)intervalle mit anschließenden fünfminütigen Pausen auszeichnet. Ziehen Sie sich zudem für das Arbeiten (oder auch für das Lernen) richtig an und bewegen Sie sich vor und nach den Arbeitseinheiten. Alles, was dem normalen Arbeitsalltag nahe kommt, kann hilfreich sein.

4. Projekte für Zuhause

Legen Sie regelmäßig Smartphone oder Laptop weg und verschaffen Sie sich Pausen von Krisenmeldungen. (Tipps für eine bessere Selbstkontrolle bei der eigenen Mediennutzung finden Sie hier). Stattdessen könnte gut tun: durchatmen (Meditieren, Yoga), täglich an die frische Luft gehen (solange erlaubt), ein fesselndes Buch lesen oder ein langgehegtes Projekt endlich in die Tat umsetzen, vielleicht eine Wand zu streichen, die Kleider auszumisten, eine neue Sprache zu lernen, Brot selbst zu backen, Gemüse zu fermentieren, den Balkon oder Garten auf Vordermann zu bringen und dabei die Sonne zu genießen. Etwas zu erledigen und zu erreichen, gibt ein gutes Gefühl der Produktivität. Und Zeit ist genug da.

Anmerkung: In schwierigen Zeiten geht es darum, möglichst gut für sich selbst zu sorgen. Vielleicht ist es Ihnen auch zu stressig, neben Home-Office und Kinderbetreuung noch weitere Projekte anzugehen. Dann kann es auch mal gut tun, einfach nur Netflix zu gucken oder einen ausgiebigen Mittagsschlaf zu machen. Ihr Tagesplan sollte deshalb als Abwechslung zu anstrengenden Aktivitäten (Arbeiten, Lernen, Haushalt etc.) immer auch entspannende Aktivitäten enthalten (zum Beispiel Lesen, Yoga, Spazierengehen, Schlafen).

Sara Hanke

Sara Hanke

Sara Hanke ist Diplom-Psychologin an der Sektion Suchtforschung der Universitätsklinik Tübingen. Sie berät Patientinnen und Patienten der Internetsucht-Ambulanz.

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