Die Fastenzeit wird von vielen Menschen genutzt, um auf ungesunde Verhaltensweisen zu verzichten. Besonders beliebt ist der Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten. In einer forsa-Umfrage zur Fastenzeit 2019 nannten einige Menschen aber auch den Verzicht auf Internet, Computer und Fernsehen als Ziel. Um die eigene Beziehung zu Smartphone, Netflix oder Konsole zu überprüfen, ist es durchaus sinnvoll, immer wieder einen Schritt zurückzutreten und die eigene Mediennutzung zu hinterfragen:

  • Wie viel Zeit verbringe ich eigentlich am Smartphone, PC oder mit Serien?
  • Tut mir das gut?
  • Wie würde es mir damit gehen, eine Zeitlang darauf zu verzichten?
  • Wie schwer würde es mir fallen und was würde ich möglicherweise dadurch gewinnen?

Der Weg ins Internet ist leicht und schnell

Digitale Medien sind so ausgelegt, dass sie sehr unterhaltsam und fesselnd sind. Fast jeder kennt den Reiz einer spannenden Sendung, des Lieblingscomputerspiels oder des Feeds auf Instagram. Sehr schnell verliert man das Zeitgefühl und verbringt viel mehr Zeit mit der Mediennutzung als man eigentlich wollte. Nicht selten auf Kosten anderer Dinge – Dinge, die vielleicht mehr Überwindung kosten, einem aber dafür eher gut tun. Das Buch auf dem Nachttisch verliert gegen die nächste Folge der neuen Netflix-Serie. Sich zum Sport aufzuraffen ist viel schwerer, als gemütlich auf dem Sofa zu sitzen und zu zocken. Mit anderen Leuten übers Internet zu schreiben kann einem leichter fallen, als wirklich rauszugehen und sich mit anderen zu treffen. Für vieles fehlt die Energie, manchmal auch der Mut oder die Überwindung. Und der Weg ins Internet ist leicht und schnell.

Die vielen Chancen, die das Internet und digitalen Medien bieten, sind nicht von der Hand zu weisen. E-Mails von unterwegs schicken zu können, das Bahnticket schon im Zug sitzend per Paypal zu kaufen, die alte Schulfreundin im Ausland über Instagram zu erreichen, von überall aus arbeiten zu können – niemand möchte auf diese Vorteile verzichten.

Aber…

Es gilt, trotzdem gesunde Grenzen zu wahren. Sich nicht jeden Tag stundenlang ungewollt in virtuelle Welten saugen zu lassen, sondern selbst die Kontrolle zu behalten. Ziel ist eine Balance im Alltag, die Bewegung, Freunde und eine gute Serie beinhalten kann. Es gibt also gute Gründe dafür, die eigene Mediennutzung zu hinterfragen und für eine Weile zu reduzieren. Die in einer Umfrage am häufigsten genannten Gründe sind der Wunsch nach weniger Stress und mehr Zeit für sich.

Wie also vorgehen, wenn Sie eine digitale Auszeit nehmen möchten?

  1. Die eigene Mediennutzung für eine gewisse Zeit genau beobachten: Die meisten Smartphones und manche Apps bieten heutzutage die Möglichkeit, sich anzeigen zu lassen, wie viele Minuten oder Stunden man täglich womit verbringt. Denn das eigene, subjektive Zeitgefühl kann einen schnell trügen – aus einer gefühlten halben Stunde können über den Tag hinweg zwei, drei oder mehr Stunden werden. (Mehr Infos und Tipps zu einer Bestandsaufnahme der eigenen Mediennutzung finden Sie hier.
  2. Die Fastenzeit bietet einen guten Anlass, für eine gewisse Zeit ganz auf das Smartphone, den Computer oder die Konsole zu verzichten: Das kann dann ein Wochenende sein oder eine ganze Woche. Oder ein ganzer Monat oder die ganze Fastenzeit. Genauso möglich ist es, von nun ab jeden Sonntag eine digitale Auszeit einzulegen. Wichtig ist: Vorab genau festlegen, worauf man verzichtet und wie lange, damit man sich nicht selbst austrickst. Empfehlenswert ist es auch, zumindest die Anwendung oder Aktivität, die in Schritt eins nachweislich die meiste Zeit der Mediennutzung ausmacht, für mindestens einen Tag (besser länger!) zu deinstallieren bzw. nicht zu nutzen.
  3. Die Verfügbarkeit der Medien reduzieren: Das Smartphone weglegen, nicht mit ins Schlafzimmer nehmen, den Flugmodus einstellen oder das WLAN deaktivieren. Es kann auch hilfreich sein, den Schwarz-Weiß-Modus des Smartphones zu aktivieren. Netflix deabonnieren, die Konsole bei Freunden oder der Familie deponieren sind weitere Möglichkeit. Also: Die Verlockung möglichst gering halten. (Einen eigenen Blogbeitrag zu dem Thema Selbstkontrolle finden Sie hier.)
  4. Schon vorab möglichst gute Alternativen planen: Schritt vier geht Hand in Hand mit Schritt drei. Ein gutes Buch kaufen oder aus der Bücherei ausleihen. Verabredungen ausmachen oder endlich mal den Sportkurs ausprobieren, den man schon so lange beginnen wollte. Mit Malen anfangen oder die Wohnung ausmisten. Alternativen und Beschäftigungsideen sind wichtig, denn – Achtung Spoiler -: Es wird sehr viel freie Zeit entstehen, so ganz ohne digitale Medien. (Mehr Infos zu Alternativen finden Sie hier.)
  5. Am Ende der Zeit (wenn sie denn enden soll) festhalten, was man aus dem Experiment mitnehmen möchte: Lässt sich ein kleiner Teil davon dauerhaft in den Alltag mitnehmen? Zum Beispiel ist es auch im Alltag eine gute Idee, immer mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen keine Geräte mehr zu nutzen, da deren hoher Blaulichtanteil die Melantonin-Produktion hemmt und die Schlafqualität verschlechtert. (Einen eigenen Blogbeitrag zum Thema Schlafengehen finden Sie hier.) Auch in sozialen Situationen, beim gemeinsamen Abendessen oder Treffen mit Freunden, kann man gut beibehalten, die Geräte wegzulegen und nicht dauernd draufzuschauen.

Anmerkung: Wenn Sie merken, dass es Ihnen nicht gelingt, Ihre Mediennutzung zu reduzieren, Sie darunter leiden oder negative Auswirkungen auf Ihr Leben bemerken, dann zögern Sie nicht, sich professionelle Hilfe zu suchen! Auf unserer Seite finden Sie Hilfsangebote in Ihrer Nähe.

Sara Hanke

Sara Hanke

Sara Hanke ist Diplom-Psychologin an der Sektion Suchtforschung der Universitätsklinik Tübingen. Sie berät Patientinnen und Patienten der Internetsucht-Ambulanz.
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