Denkt man an den „typischen Internetsüchtigen“, so hat man häufig einen Jugendlichen bzw. jungen Mann vor Augen, der Tag und Nacht am Computer sitzt und spielt. Und tatsächlich: In Beratungs- und Behandlungseinrichtungen für Internetsucht stellen sich fast nur männliche Betroffene vor. Eine deutschlandweite Studie im Jahr 2015 konnte sogar zeigen, dass im Schnitt neun von zehn der behandelten internetabhängigen Patienten männlich sind.

Ist die Internetsucht also ein reines Männerproblem?

Studien zeigen: Mädchen teilweise betroffener als Jungs

Nein, es sind nicht nur Jungs und Männer von Internetsucht betroffen – das belegen Studien, die sich damit beschäftigen, wie häufig die Abhängigkeit von Internet und Computerspielen in Deutschland vorkommt. Ganz im Gegenteil: Neue Zahlen zeigen in den jüngeren Altersgruppen sogar eine höhere Betroffenheit von Mädchen als Jungen.

Doch wieso stellen sich (fast) keine Mädchen und junge Frauen in Behandlungseinrichtungen vor? Liegt es daran, dass sie weniger beeinträchtigt sind? Nutzen sie womöglich ganz andere Internetanwendungen als männliche Betroffene? Oder trauen sie sich weniger, Hilfe zu suchen?

Dringend weitere Untersuchungen nötig

Es gibt verschiedene denkbare Erklärungsansätze. Beispielsweise geht man davon aus, dass (die meisten) Mädchen tatsächlich andere Internetanwendungen nutzen als Jungen. Im Gegensatz zu dem Rückzug von männlichen Betroffenen an den Computer oder die Konsole, nutzen Mädchen vor allem soziale Netzwerke auf ihrem Smartphone: Instagram, Pinterest, YouTube und Co. Womöglich wird dies von ihrem Umfeld weniger problematisch wahrgenommen, als würden sie sich stundenlang in ihrem Zimmer aufhalten, keine sozialen Kontakte pflegen und ihre Gesundheit vernachlässigen.

Die Frage ist: Sind diese Mädchen dennoch genauso betroffen wie männliche Internetsüchtige? Sind sie ebenso hilfsbedürftig, bekommen diese Hilfe aber nicht?

Um eine zufriedenstellende und umfassende Antwort auf diese Fragen zu finden, sind dringend weitere Untersuchungen nötig.

Nehmen Sie Hilfe in Anspruch

Sind Sie womöglich eine betroffene Internetnutzerin? Können Sie sich stundenlang durch Ihren Instagram- oder Twitterfeed klicken und dabei völlig die Zeit aus den Augen verlieren? Und fühlen Sie sich dadurch beeinträchtigt? Dann haben Sie keine Hemmungen, sich Hilfe zu suchen – hier finden Sie Behandlungsmöglichkeiten in Ihrer Nähe.

Sara Hanke

Sara Hanke

Sara Hanke ist Diplom-Psychologin an der Sektion Suchtforschung der Universitätsklinik Tübingen. Sie berät Patientinnen und Patienten der Internetsucht-Ambulanz.