Verbringt Ihr Kind oder Ihr Partner so viel Zeit an Computer oder Smartphone, dass Sie sich Sorgen machen? Häufig erkennen Angehörige früher als die Betroffenen, dass ein Problem vorliegt. Besonders für Eltern ist es allerdings wichtig, die Internetnutzung ihrer Kinder nicht vorschnell zu dramatisieren. Wenn Ihr Sohn in seiner Freizeit gern Computer spielt oder Ihre Tochter sich YouTube-Videos ansieht, muss es nicht gleich Internetsucht sein. Doch woran erkennen Sie, ob ein Problem vorliegt?

Wichtige Anhaltspunkte

Gern können Sie hier nachlesen, was wir unter Internetsucht verstehen. Wichtige Anhaltspunkte sind, ob Ihr Kind oder Partner noch seinen Pflichten nachkommt und auch andere Interessen hat als nur das Internet. Geht Ihr Kind nicht mehr in die Schule, hört auf Fußball zu spielen oder Freunde zu treffen und schlägt sich stattdessen die Nächte am Computer um die Ohren? Dann wäre es ratsam, gemeinsam eine Beratung aufzusuchen. Dort können Fachleute abklären, ob tatsächlich eine Internetsucht vorliegt.

Letztendlich ist es natürlich wesentlich, dass Betroffene selbst ihr Problem erkennen und bereit sind daran zu arbeiten. Aber Sie können durchaus Einfluss nehmen.

Tipps:

  • Bleiben Sie in (möglichst gutem) Kontakt mit Ihrem Angehörigen. Interessieren Sie sich dafür, was dieser im Internet tut. Unternehmen Sie etwas gemeinsam. Reden Sie miteinander und unterstützen Sie sich gegenseitig. Eine gute Beziehung ist viel wert und schützt jedes Familienmitglied davor, sich zu isolieren.
  • Bei Familien kann das zum Beispiel heißen: Regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten oder auch feste Familienzeiten oder -konferenzen, bei denen Sie sich austauschen und besprechen können.
  • Führen Sie „internetfreie“ Zeiten für alle ein – gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Vielleicht können Sie als ganze Familie auch ausprobieren, abends die Handys wegzulegen und stattdessen etwas gemeinsam zu machen.
  • Seien Sie klar! Dass Sie sich für Ihren Angehörigen interessieren und ihn unterstützen, heißt nicht, dass es keine Grenzen geben sollten. Gerade bei Kindern sind klare Regeln wichtig. Unterstützen Sie die übermäßige Internetnutzung nicht auch noch – indem Sie zum Beispiel das Essen an den PC bringen oder Haushaltspflichten für Ihr Kind übernehmen. So machen Sie es Ihrem Kind nur angenehmer.
  • Überprüfen Sie, wie Sie mit Ihrem Kind oder Partner sprechen. Sätze wie „Du machst NIE etwas im Haushalt“ oder „IMMER sitzt du nur am Computer“ sind nicht hilfreich. Versuchen Sie, mit „Ich-Sätzen“ zu arbeiten und Ihre eigenen Gefühle und Wünsche zu formulieren. Zum Beispiel: „Ich würde so gern mehr Zeit mit dir/der Familie verbringen. Würdest du dafür bitte auf etwas Zeit vor dem Computer verzichten?“
  • Falls Sie sich überfordert fühlen: Auch als Angehörige allein können Sie sich beraten lassen. Suchen Sie in unserer Adressdatenbank nach einem Angebot in Ihrer Nähe.
Sara Hanke

Sara Hanke

Sara Hanke ist Diplom-Psychologin an der Sektion Suchtforschung der Universitätsklinik Tübingen. Sie berät Patientinnen und Patienten der Internetsucht-Ambulanz.